Virtuose des Machtkampfes

Kommentar zum Kampf des Altkanzlers: Kohl bleibt sich treu

Wolfgang Blieffert, E-Mail: bli@hna.de

Der Altkanzler hält die Republik wieder in Atem. Er, der Mann der Wiedervereinigung, inzwischen 84 Jahre alt und an den Rollstuhl gefesselt, hat zwischen 2001 und 2002 seinem Ghostwriter Heribert Schwan Rede und Antwort gestanden. Um die 200 Tonbänder tobt ein Rechtsstreit. Ein Kommentar von HNA-Redakteur Wolfgang Blieffert.

In einem kurzen Moment der deutschen Geschichte hat Helmut Kohl historisches Format bewiesen. Als sich vor 25 Jahren mit dem Zusammenbruch der DDR die Chance zur Wiedervereinigung eröffnete, ging er mit traumwandlerischer Sicherheit vor und überzeugte auch die skeptischen Nachbarn Deutschlands von dessen friedlichen Ansichten. Das bleibt Kohls geschichtliches Verdienst.

Lesen Sie dazu auch:

Helmut Kohls sehr böse Worte zum Abschied

Die Jahre davor und danach haben Kohl vor allem als Virtuosen des Machtkampfes gezeigt. Die Opposition hielt er auf Distanz, die eigene Partei machte er sich untertan. Wer ihm nicht folgte, hatte in Bonn, später in Berlin keine Zukunft mehr. Wer aufmuckte, den vergaß Kohls legendäres Elefantengedächtnis nicht. Das hat er seinem Biografen Heribert Schwan in drastischen Worten bewiesen, als er sich wegen der Spendenaffäre von politischen Freunden verraten sah.

Aber Mitleid ist im politischen Geschäft ein Fremdwort, zumal Kohl das Recht vorsätzlich beugte. Mitgefühl gebührt dem Altkanzler höchstens, weil das Leben für die Politik sein Familienleben zerstört hat. Weil Biograf Schwan das in einem Buch trefflich analysiert hatte, lässt Kohl jetzt gegen das neue Werk vor Gericht ziehen. Auch in der mangelnden Fähigkeit zur Einsicht ist er sich über all die Jahre treu geblieben.

E-Mail an den Autor: bli@hna.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.