Kommentar zur Kanzlerin bei Anne Will: Auf riskantem Kurs

Die Kanzlerin war am Mittwochabend zu Gast bei Anne Will. Angela Merkel blieb dabei: Wir schaffen das. Dazu ein Kommentar von Nachrichtenredakteur Wolfgang Blieffert.

Wer erwartet hatte, dass Angela Merkel angesichts der Welle von Kritik an ihrer Flüchtlingspolitik rückrudern und die Sorgen der Bürger in den Vordergrund schieben würde, der sah sich bei Anne Will getäuscht. Die Kanzlerin wiederholte ihre „Wir schaffen das“-Rhetorik, und sie gab sogar zu, dass auch sie keine klaren Vorstellungen von den in den nächsten Jahren zu erwartenden Flüchtlingszahlen hat. Ein Bekenntnis, das einen Politiker sympathisch erscheinen lassen kann, aber mit Blick auf den Wahltag auch riskant ist.

Man mag sich angesichts dieser Haltung fragen, ob da Starrsinn einer Kanzlerin im Spiel ist, die nicht zugeben will, dass sie womöglich fahrlässig oder naiv Zusagen und Versprechungen gemacht hat. Oder ob sie der Instinkt einer Politikerin leitet, die am Ende schon mehrfach richtig gelegen hat.

Eines steht angesichts von Merkels Positionierung in der Will-Talkshow jedenfalls fest: Die Kanzlerin ist entschlossen, den Kampf mit Gegnern und Kritikern durchzustehen. Sie geht damit nicht den Weg Helmut Kohls, der angesichts brennender Asylunterkünfte Anfang der 90er-Jahre zurückhaltend, ja kühl reagierte, weil er wusste, mit welchen Themen Wahlen nicht zu gewinnen sind.

Eher erinnert Merkel heute an die Kanzler Helmut Schmidt und Gerhard Schröder, die einst - von Nato-Nachrüstung beziehungsweise Hartz-Reformen fest überzeugt - den Konflikt mit der eigenen Partei riskierten. Deren Ende ist allerdings bekannt.

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