Kommentar: Kandidat war in der Zwickmühle

Martin Schulz im TV-Duell: Stets bemüht, doch letzte Chance vertan

Martin Schulz: Letzte Chance vertan. (Archivbild)

Im TV-Duell mit Kanzlerin Angela Merkel kam Herausforderer Martin Schulz aus seiner Zwickmühle nicht heraus: Der Sozialdemokrat musste auf Sieg spielen, doch seine Partei ist Mitglied der Regierung. Ein Kommentar von Tibor Pezsa.

Duell? Nein, das hörte sich eher an wie verfrühte, zuweilen nörgelige Koalitionsverhandlungen. Zwar argumentierte der Herausforderer klug, er kritisierte zu Recht, doch letztlich kam Schulz nicht aus der Zwickmühle: Von 2005 bis 2009 und in den vergangenen vier Jahren hat die SPD mitregiert, und wenn nicht gerade TV-Duell ist, sieht sie sich selbst als Motor der Regierung. Für deren Versäumnisse und Fehler ist sie ebenso zuständig wie die Union.

Migration? Die SPD hat alles mitgetragen, den monatelangen Kontrollverlust an den Grenzen vor zwei Jahren, das skandalöse Versagen vor allem rot-grün regierter Bundesländer bei den Abschiebungen abgelehnter Asylbewerber.

Außenpolitik? Ob Europa, Russland, Polen, Ungarn, Afrika, Türkei, Nordkorea oder USA: Zwischen Union und SPD passt einiges, inhaltlich aber kein Blatt. Familienfreundlich? Sind alle. Innere Sicherheit: Ja, ganz wichtig.

Pech für den Kandidaten: Schulz musste auf Sieg spielen, Merkel genügte ein Unentschieden. Nicht nur, weil es Deutschland besser geht als seinen Nachbarn. Auch weil einer Mehrheit der Wähler schwant, dass sie vieles verlieren können, aber nur wenig gewinnen. Das ist das System Merkel: Wer sich zuerst bewegt, der verliert. Und was wir morgen tun, das sehen wir dann. Gäbe es mehr zu gewinnen als zu verlieren, wäre eine Politikerin wie Merkel nicht Kanzlerin.

Hat Martin Schulz damit die letzte Chance vertan, das Ruder für die SPD herumzureißen? Es scheint so. Doch mit Blick auf die Wahl am 24. September wird nun jeder Tag wichtiger als der vorige. Dieses „Duell“ aber wird bald vergessen sein. 

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