HNA-Kommentar: Kirchenaustritte kein Wunder

Viele Menschen suchen ihr Heil heute nicht mehr in der Kirche. Möglicherweise, weil sie in ihren Strukturen zu weltlich ist, meint HNA-Nachrichtenredakteur Tibor Pésza.

So sehr stehen evangelische und katholische Kirche mit dem Rücken an der Wand, dass schon geringste Anlässe zu Austritten führen - selbst wenn die Kirche, wie bei der Abgeltungssteuer, nichts dafür kann. Ereignet sich so jene „Entweltlichung“, die Papst Benedikt 2011 von seiner Kirche forderte? Die Welt kehrt sich von der Kirche ab – nicht umgekehrt?

Benedikt, der seine Mahnung wohlweislich in Deutschland aussprach, hatte den Kernauftrag der Kirche im Blick, die Verkündung der Nähe und des Kommens des Reiches Gottes. Diesen Auftrag sah er behindert durch eine zwar wohlgeordnete und bestens versorgte, aber von Erstarrung bedrohte Kirche.

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Geld ist magnetischer als Wünsche, selbst wenn die vom Papst kommen. So sind die Kirchen in Deutschland nicht „entweltlicht“. Im Gegenteil: Sie sind mit dem Staat finanziell eng verbunden - obwohl das Grundgesetz eine Trennung verlangt, einen weltlichen, bekenntnisneutralen Staat.

Doch die Trennung von Kirche und Staat wäre eine Herkulesaufgabe. Mit etwa 1,3 Millionen Arbeitnehmern sind die Kirchen in Deutschland zweitgrößter Arbeitgeber nach dem öffentlichen Dienst. Das konnten sie auch deswegen werden, weil die vertraglich zugesagten Staatsleistungen an die Kirchen schneller wachsen als die Geldentwertung, sie folgen der Lohnentwicklung. Doch viele Aufgaben, die Kirchen erledigen, erledigen auch Arbeiterwohlfahrt, Volkssolidarität und andere Anbieter. Dafür braucht es Kirchen jedenfalls nicht.

Auf die Kraft des Evangeliums, so scheint es, geht die Größe der Kirchen in Deutschland jedenfalls nicht zurück. Kein Wunder, dass viele ihr Heil woanders suchen und austreten.

E-Mail an den Autor: tpa@hna.de

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