Kommentar

Konservatismus in Deutschland ist tot

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Unangefochtene Parteivorsitzende: Angela Merkel (58).

Wiesbaden. Gestern sollte es endlich kommen: das Manifest des von Hessens CDU-Fraktionsvorsitzendem Christean Wagner mitgegründeten „Berliner Kreises“. Stattdessen kam - nichts.

Längst pfeifen es die Spatzen von den Dächern, dass die Gruppe sich schlicht nicht einigen kann, was denn nun der Inhalt ihres Manifestes sein soll. Gutes zu bewahren reicht nicht; wie man sich, wie Wagner sagt, „dem Fortschritt der Moderne öffnet“, scheint aber schwieriger zu sein.

Ein Kommentar von Tibor Pézsa:

Tibor Pézsa (E-Mail: tpa@hna.de)

Papa, was heißt eigentlich konservativ? Was soll man seinem Kind auf diese Frage antworten? Dass es da mal Politiker wie Alfred Dregger und Manfred Kanther gab, die so stolz darauf waren, Konservative zu sein, dass sie ihre Partei, die Hessen-CDU, sogar als konservativen Kampfverband bezeichneten?

Dass konservativ aber nie ein Programm war, sondern eine Haltung? Aber was für eine Haltung? Konservativ: Das hieß in der Union, dass man irgendwie gegen Schwule war, gegen Geschiedene, Atomkraftgegner, Kirchenferne, Alleinerziehende, Kriegsdienstverweigerer und Sozialisten. Heute ist das alles für die meisten Christdemokraten ganz anders. Heute wissen nicht einmal die Konservativen mehr, was konservativ eigentlich ist. Und so zeigt sich: Keine Haltung ist groß, mächtig und stolz genug, als dass sie nicht klein, belanglos und verschämt entschlafen könnte.

Die Rebellion Christean Wagners und des Berliner Kreises offenbart das Gegenteil vom Beabsichtigten: Der politische Konservatismus in Deutschland ist tot. Der Kampfverband ist auseinandergelaufen. Heute teilt man alle Meinungen, heute ist man nicht mehr konservativ, sondern schlau.

Was meinen Sie, liebe Leser?

Der Widerstand konservativer Christdemokraten gegen den Kurs der Bundeskanzlerin scheint auch deswegen folgenlos zu bleiben, weil niemand so recht sagen kann, was mit „konservativ“ eigentlich gemeint sein soll. Was meinen Sie: Fehlt ein konservatives Element in der deutschen Politik? Und was könnte dies sein? Schreiben Sie uns an nachrichten@hna.de

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