Kommentar zum Kopftuch-Urteil: Leider nur halbherzig

Das Bundesverfassungsgericht hat das grundsätzliche Kopftuchverbot für muslimische Lehrerinnen gekippt. Ein Kommentar dazu von HNA-Redakteurin Petra Wettlaufer-Pohl.

Wenn der Schulfrieden aufgrund von Ausein-andersetzungen in der Kopftuchfrage konkret bedroht ist, darf der Staat ein Kopftuchverbot verhängen. So ist das Urteil aus Karlsruhezu lesen. Aber was heißt das? Reicht es, wenn die Schulgemeinde sich streitet, weil eine Kopftuchlehrerin ins Haus steht? Oder besteht die Gefahr erst dann, wenn eine Kopftuchlehrerin tatsächlich im Unterricht politisch oder religiös agitiert hat?

Im ersten Fall ginge es um die pauschale Verurteilung des Kopftuches, die das Verfassungsgericht ja gerade abgelehnt hat. Im zweiten Fall ginge es um eine Verletzung der Beamtenpflichten, die auch ohne Kopftuchverbot zu ahnden wäre.

In der Praxis wird die Einschränkung bei der Aufhebung des Kopftuchverbotes also nicht weiterhelfen. Das Urteil ist deshalb leider halbherzig. Karlsruhe hätte das Verbot komplett kippen sollen. Denn es geht doch nicht darum, was Frauen auf dem Kopf tragen, sondern darum, was und wie sie lehren und ob sie ein Vorbild sein können. Das sehen junge Menschen, wie die Studie der Humboldt-Universität zeigt, glücklicherweise offensichtlich längst so.

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