Kommentar zu den Kriegsgräueln in Syrien: Zynisches Schauspiel

Inmitten des syrischen Bürgerkriegs droht im palästinensischen Flüchtlingslager Jarmuk ein neues Massaker. Ein Kommentar dazu von HNA-Redakteur Jörg S. Carl.

Die Vorgänge in Jarmukmachen traurig und wütend. Die UN ziehen mit dem Begriff „Todeslager“ eine Parallele zu den Nazi-Gräueln in Europa. Damals befreite eine Allianz den Kontinent vom massenmordenden Faschismus. Heute ist es für eine große militärische Intervention gegen die islamischen Faschisten des IS und den syrischen Tyrannen Baschar al-Assad zu spät, niemand im Westen und in Arabien ist mehr bereit dazu. Die Welt schaut den Massakern zu - in Jarmuk und vielen anderen Orten.

Die beschämende Zuschauerrolle ist auch das Ergebnis des Nichthandelns jener Mächte, die damals Hitler-Deutschland besiegten. Die USA und Russland haben sich im Falle Syriens für Interessenpolitik statt moralischer Verantwortung entschieden. Für den US-Präsidenten war es vor zweieinhalb Jahren, als eine Intervention noch möglich und erfolgversprechend gewesen wäre, sehr bequem, auf die Kriegsmüdigkeit seiner Bürger zu hören. Es war ja Wahlkampf. Sogar nach Giftgaseinsätzen des Assad-Regimes blieb Barack Obamas Satz vom Überschreiten der roten Linie so gut wie folgenlos.

Auch Russland hielt viel zu lange an Assad fest, dem einstigen Verbündeten und Käufer russischer Waffen. Der wiederum ließ die Terrormiliz IS dort gewähren, wo es ihm selbst nützte. So hat auch Assad die Menschen in Jarmuk monatelang aushungern lassen, weil sich dort Regimegegner aufhalten. Jetzt aber geriert sich der Diktator als Beschützer des Palästinenserlagers und Gegner des IS, weil dessen Schlächter seinem Palast gefährlich nahe rücken. Es ist ein zynisches und erbärmliches Schauspiel. Wir sind weiter zum Zuschauen verdammt, traurig, wütend - und ratlos.

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