Kommentar zum Fall des KZ-Aufsehers Gröning: Jahre nicht entscheidend

70 Jahre nach dem Ende des Holocaust hat ein SS-Mann vor Gericht seine Mitschuld am Massenmord im KZ Auschwitz eingeräumt. Ein Kommentar dazu von Max Holscher.

Welches Urteil ist angemessen, wenn man an der Ermordung von zigtausend Menschen beteiligt war? Keines. Es gibt in Fällen, wie dem von Oskar Gröning, einfach keine angemessene Strafe. Und sie kommt immer zu spät.

Es gibt aber so etwas wie Genugtuung – vor allem für die Angehörigen der Opfer: Genugtuung, gehört worden zu sein; Genugtuung, dass deutsche Gerichte Täter des nationalsozialistischen Regimes schuldig sprechen; dass die Taten nicht vergessen werden – das sind Zeichen, die heutzutage wichtiger sind als die Zahl der Jahre, die dabei an Strafe herauskommt.

Juristisch gesehen ist die Aufarbeitung solcher Fälle schwierig. Wer kann sich erinnern, was vor 70 Jahren war? Was ist Erzählung, wurde aber als eigene Erinnerung abgespeichert? Die Justiz hat deswegen schon vor vier Jahren mit dem Demjanjuk-Fall die rechtliche Bewertung solcher Tatbestände geändert und die Verurteilung vereinfacht: Die konkrete Tat, also das Töten, muss nicht mehr nachgewiesen werden, eine Tätigkeit, wie die eines Aufsehers, reicht, um von der Beihilfe zum Mord auszugehen.

Deshalb steht jetzt auch Gröning vor Gericht – er hat eine Schuld eingeräumt. Ohne Prozess hätte er sich wohl nie dazu bekannt.

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