Kommentar zu längerem Urlaub für Ältere: Luxus und die Folgen

Tatjana Coerschulte über die Urlaubsklage

Ältere Mitarbeiter bekommen in manchen Betrieben mehr Urlaub als ihre jüngeren Kollegen. Das ist unter bestimmten Bedingungen rechtens, entschied das Bundesarbeitsgericht. Ein Kommentar dazu von Tatjana Coerschulte aus der HNA-Nachrichtenredaktion.

Als vor acht Jahren das Antidiskriminierungsgesetz in Kraft trat, da hatte die Bundesregierung unter anderem im Sinn, ältere Menschen vor Benachteiligungen zu schützen. Es sollte zum Beispiel verhindert werden, dass bei Stellenbesetzungen jüngere Bewerber bevorzugt werden, nur weil die anderen mehr Jahre auf dem Tacho haben. Und was ist passiert? Genutzt haben das Gesetz vor allem Jüngere, die sich die vermeintlichen Privilegien der Älteren erkämpfen wollen.

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Richter sollen Klarheit in grundsätzlichen Fragen des beruflichen Miteinanders schaffen. Der Klage, mit der sie sich jetzt befassen mussten, haftet aber etwas von einem Kindergartenstreit an: Da wollen Kollegen um die 50 wissen, ob es wirklich erlaubt ist, dass ihre Kollegen mit Ende 50 zwei Tage Urlaub mehr haben als sie - anstatt froh zu sein, einen sozial eingestellten und großzügigen Arbeitgeber zu haben.

Dass die Kläger sowieso schon Anspruch auf 34 Tage Urlaub haben, also auf mehr als viele andere, auch viele andere Ältere, macht die Klage zu einem Luxusproblem. Schön, dass sie nun höchstrichterlich erfahren haben, dass sie keineswegs ungerecht behandelt worden sind. Noch schöner wäre es, wenn Deutschlands Richter ihre Zeit und Fähigkeiten auf echte Missstände verwenden dürften.

E-Mail an die Autorin: coe@hna.de

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