Kommentar zum Lärm-Urteil: Spiel ist auch mal laut

Lärm Fußball spielender Jugendlicher berechtigt Mieter nicht automatisch zu einer Mietminderung. Das hat der BGH im Streit um einen Bolzplatz in Hamburg entschieden. Ein Kommentar von Wolfgang Riek.

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Wer in Sonntagsreden eine kinderfreundliche Gesellschaft fordert, muss im Alltag auch Krach der lieben Kleinen ertragen. Wo gespielt wird, geht’s zuweilen lauter zu. Und Kinder, die sich allzeit mucksmäuschenstill in Ecken drücken, sind eher verdächtig. Das ist kein Plädoyer dafür, Beschallung aller Art und rund um die Uhr zu erdulden. Wer Kinder erzieht, darf ihnen nicht nur die ganz lange Leine geben, sondern muss auch Grenzen ziehen und vermitteln, was Rücksichtnahme heißt. Wenn’s dabei hakt, muss man unter Nachbarn darüber reden. Das Gespräch ersetzen Gesetze sowieso nie – und die länderrechtlich geschützte Mittagsruhe gilt in Hessen und Niedersachsen schon seit Jahren nicht mehr.

Lärm vom Bolzplatz einer nahen Schule kann nicht einfach per Mietminderung dem Vermieter angelastet werden. Mit diesem Fingerzeig hat der BGH den Rechtsstreit zur weiteren Sachaufklärung an die Vorinstanz zurückverwiesen. Auch mit Blick auf das 2011 geänderte Immissionsschutzgesetz des Bundes: Der Lärm aus Kindereinrichtungen verlor damals das Etikett „Grundsätzlich schädlich“. Zuvor hatten Anwohner Kitas aus Wohngebieten einfach weggeklagt. In Industriegebieten haben Schulen und Kitas aber nun wirklich nichts verloren.

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