Kommentar zur Lage der Flüchtlinge: Zäune im Herzen

Werner Kolhoff über das Flüchtlingsdrama

An der mazedonisch-griechischen Grenze spielen sich dramatische Szenen ab, gegen Flüchtlinge wird Tränengas eingesetzt. Ein Kommentar unseres Korrespondenten Werner Kolhoff.

Wer kein Herz hat, mag ungerührt sein. Es gab ja in Ungarn schon eine Kamerafrau, die Flüchtlingen auf den letzten Metern ein Bein stellte. Und es gab in Deutschland schon AfD-Vertreter, die schießen lassen wollten. Geschossen wird zum Glück noch nicht. Aber das ist angesichts der Vorkommnisse an den Zäunen vor Mazedonien nicht mehr sehr fern.

Wer Herz hat, findet unerträglich, was da jetzt passiert. Das sind Flüchtlinge, Hilfesuchende, keine Verbrecher. Immer mehr stauen sich im Nirgendwo. Das Tränengas und die vielen Tränen, die auch ohne Gas fließen, sind dabei nicht die unschöne Folge einer leider unabdingbaren Maßnahme, frei nach dem Motto: „Wo gehobelt wird, fallen Späne.“ Sondern sie sind die Folge massiver Kälte und massiven Versagens der europäischen Nationen.

Mag für Deutschland und wenige andere Länder eine Grenze der Belastung in Sicht sein, für Europa als Ganzes ist sie das noch lange nicht. Herr Seehofer, Frau Klöckner, Herr Orban, Frau Petry: Auf dem Balkan einschließlich Österreich gibt es jetzt Ihre Obergrenze. Ihre Zäune stehen. Alles, wie Sie es vorgeschlagen haben. Fahren Sie hin, gucken Sie sich das Ergebnis an. Und sagen Sie etwas. Irgendetwas Sinnvolles.

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