Kommentar zur Lage in Russland: Klima der Angst

Mit einer bewegenden Trauerfeier hat Russlands Opposition Abschied genommen von Boris Nemzow. Dazu ein Kommentar von HNA-Redakteur Wolfgang Blieffert.

Jemandem die letzte Ehre zu erweisen, ist in einem zivilisierten Land ein selbstverständlicher Akt, Mitgefühl und Trauer auszudrücken. In einem Staat wie Russland ist das nicht so. Da gehört inzwischen Mut dazu, einen Ermordeten wie Boris Nemzow öffentlich zu würdigen.

Denn in Russland ist ein innenpolitisches Klima entstanden, wie es seit den Zeiten des Diktators Josef Stalin nicht mehr geherrscht hat. Wer sich politisch anders äußert als die Kreml-Führer, muss mit Verleumdung durch die staatlich gelenkten Medien rechnen. Wer den Widerspruch organisiert, muss Einschüchterung fürchten. Oder wird zum Abschuss freigegeben.

Noch gibt es keine belastbaren Erkenntnisse über die Mörder des Oppositionspolitikers Nemzow. Da er zuletzt aber vor allem den russischen Krieg gegen die Ukraine kritisierte, darf hier zumindest das Tatmotiv vermutet werden. Das weist dann auf die Anti-Maidan-Demonstranten der vergangenen Wochen, jene nationalistischen Kräfte, denen Präsident Wladimir Putin verspricht, Russland mit aller Härte zu alter Größe zurückzuführen.

Diese Heilsversprechen haben das Klima der Gewalt erzeugt, dem Boris Nemzow zum Opfer fiel. Und für das die Kreml-Führung die politische Verantwortung trägt.

Kontakt zum Autor: bli@hna.de

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