Kommentar zur Lage im syrischen Grenzgebiet: Schutzzonen einrichten

Jörg S. Carl über die Lage im syrischen Grenzgebiet

Für die syrischen Flüchtlinge an der Grenze zur Türkei bleibt die Lage dramatisch. Den Plan Angela Merkels und der EU zur Lösung kommentiert Jörg S. Carl.

Der Plan der Kanzlerin und der EU klingt zu schön, um wahr zu sein: Die Türkei soll den Zustrom von Flüchtlingen nach Europa reduzieren - gegen drei Milliarden Euro und EU-Beitrittschancen. Jedoch: Die Türkei hat bereits 2,5 Millionen Syrer aufgenommen und sieht sich mit einer neuen Massenflucht konfrontiert.

Also drückt Ankara vorerst auf den Selbstschutzknopf, schließt die Tore und überlässt Zehntausende Menschen an der Grenze ihrem Schicksal. Das macht wütend, ist aber aus Sicht der Türkei nachvollziehbar. Sie soll ja gemäß Auftrag die Flüchtlingszahlen gering halten. Und siehe da, der Merkel-EU-Plan wendet sich ins Hässliche.

Auf einzelne Schritte, die die humanitäre Lage mildern sollen, haben sich Kanzlerin und türkische Regierung verständigt. Zurzeit wird ein riesiges Lager für 60 000 Flüchtlinge gebaut, und der türkische Katastrophenschutz sowie das deutsche THW sollen den Bedrängten zur Seite stehen - aber Achtung: all das auch auf grenznahem, syrischem Gebiet. So wird sich mancher Katastrophenhelfer bald wundern, wenn er unter Lebensgefahr die von Islamisten verfolgten, vom Assad-Regime gequälten und von Russlands Luftwaffe bombardierten Menschen auf syrischem Boden versorgen soll.

Vordergründig klingt das alles nach politischem Konzept: Wir tun Gutes, sogar in Syrien - und reden darüber. In Wahrheit ist es die Fassade für erschreckende Ratlosigkeit. Denn der Syrien-Krieg droht noch lange weiterzugehen, bald werden Hunderttausende an der türkischen Grenze lagern. Also muss der Westen besser spät als nie begreifen: Um die Einrichtung von militärisch zu verteidigenden Schutzzonen für die Menschen in Syriens Grenzgebieten wird man nicht umhinkommen. Arabische Länder sind bereit, Bodentruppen zu stellen und warten auf ähnliche Signale aus USA und Europa. Die Alternativen? Massenflucht weiter zulassen oder dem näher rückenden Massensterben weiter zusehen.

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