Kommentar zur Leichenaktion in Berlin: Zynisch und verächtlich

Im November montierten Berliner Aktivisten die Kreuze für die Mauertoten ab. Nun betten die Künstler vom "Zentrum für Politische Schönheit" eine Leiche um. Ein Kommentar von HNA-Nachrichtenchef Tibor Pézsa.

Natürlich möchten Künstler Aufmerksamkeit, erst recht die, welche sich als politische Künstler verstehen. Das Geschäft ist allerdings mühsam in Zeiten, in denen es normal ist, dass Menschen öffentlich Würmer fressen, ihre Krebserkrankungen, Schwangerschaften und alle möglichen anderen Höhe- und Tiefpunkte ihres Lebens vorzeigen, damit möglichst alle so irre über sie staunen können, wie sie selbst es tun.

Der Tod ist in diesem Geschäft schon lange kein Tabu mehr. Die Medien spielen mit, weil sie keine Sittenwächter sind, sondern in ihren je eigenen Blickwinkeln abbilden sollen, was ist. Zwar gibt es in Deutschland noch den Straftatbestand der Störung der Totenruhe. Doch wo sich der Begriff von der Würde des Menschen hinter der maximalen Verwertbarkeit des Menschen verflüchtigt, da wird selbst Leichenschändung zu einer fremdartigen Kategorie aus der Vorzeit.

Umso klarer muss gesagt werden: Die Leichen-Aktion des „Zentrums für politische Schönheit“ ist pervers, weil sie die toten Flüchtlinge noch einmal opfert, obwohl sie Trauer vorgaukelt. Die Aktion ist zynisch, weil sie das Leid der Angehörigen für eigene Zwecke ausnutzt. Man entlarvt keine Menschenverachtung und Würdelosigkeit, wenn man sich menschenverachtend und würdelos verhält.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.