Kommentar

Mängelliste bei der Bundeswehr: Nicht mehr weglächeln

Der Bundeswehr fehlen Zelte, Schutzwesten und Winterkleidung für Aufgaben in der Nato. Aber auch große Waffensysteme sind nur bedingt einsatzbereit. Ein Kommentar von Jörg S. Carl

In früheren Zeiten, als Ostermärsche noch Massen bewegten und nicht nur Spaziergänge einiger weniger Gruppen waren, hätten viele die Nachricht über Ausrüstungsmängel bei der Bundeswehr sicher wohlwollend zur Kenntnis genommen. Denn daraus hätte sich leicht ableiten lassen, die Truppe sei derart unwichtig, ja überflüssig geworden, dass den Soldaten nicht einmal mehr genug Winterbekleidung zur Verfügung steht.

Diese Logik ist auf heute übertragbar: Wer will noch in solch einer Truppe mitwirken, wenn sie von der Politik derart vernachlässigt wird? Es gibt zu wenig funktionsfähige Panzer, es gibt Probleme bei der Luftwaffe, es fehlen Waffensysteme, Nachtsichtgeräte, Schutzwesten, sogar Zelte. Und nun sind die Landesverteidiger bei Minusgraden auch noch auf Omas selbstgestrickte Kniestrümpfe angewiesen. Nicht nur Pazifisten können jetzt zurecht fragen: Wird die Bundeswehr denn tatsächlich nicht mehr gebraucht?

Das Gegenteil ist der Fall. Politik und die schweigende Mehrheit in Deutschland haben eingesehen, dass Sicherheit und Frieden nicht nur mit Diplomatie, kulturellem Austausch und sportlicher Begegnung zu erreichen und zu bewahren sind. Die Welt ist noch bedrohlicher geworden, auch unmittelbar vor der Haustür, siehe Ukraine, Nahost und Nordafrika. Es bedarf militärischer Abschreckung, der Fähigkeit zur Reaktion und – am wichtigsten – der Bereitschaft zur Bündnistreue.

Deutschland braucht die Nato und umgekehrt. Schon Anfang nächsten Jahres soll die Bundeswehr hier eine zentrale Rolle spielen. Wie das angesichts der Pannenberichte noch zu schaffen ist, muss die verantwortliche Ministerin schleunigst erklären. Die Probleme wegzulächeln, hilft nicht mehr.

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