Kommentar zu Mindestlohn: Etwas mehr Gerechtigkeit

Seit einem Jahr gibt es den Mindestlohn - und gleichzeitig mehr Arbeitsplätze denn je. Doch die sind nicht nur der Lohnuntergrenze, sondern auch der guten Konjunktur zu verdanken. Die Diskussion um den Mindestlohn wird anhalten - ein Kommentar von Stefan Vetter.

Das Reizthema ist weitestgehend aus den Schlagzeilen verschwunden. Ein gutes Zeichen, wenn man sich in Erinnerung ruft, mit welchen Horrorszenarien die Einführung des Mindestlohns zu Jahresbeginn begleitet wurde. Zwölf Monate später gibt es weniger Arbeitslose und mehr Arbeitsplätze denn je. Und das nicht trotz, sondern offenbar auch wegen des Mindestlohns. Denn gleichzeitig ging die Zahl der Minijobs zurück, was darauf hindeutet, dass zumindest ein Teil davon in Vollzeitstellen umgewandelt wurde.

Freilich herrschen dafür auch günstige Rahmenbedingungen. In Zeiten eines wirtschaftlichen Niedergangs wäre der Mindestlohn kaum durchsetzbar gewesen. Doch das ist kein Grund, das Rad der Geschichte zurückzudrehen. Wer Vollzeit arbeitet, muss davon wenigstens einigermaßen leben können.

Absehbar ist, dass die Diskussion um den Mindestlohn trotzdem nicht gänzlich verstummen wird. Dafür dürften die vielen Flüchtlinge sorgen, die es in den Arbeitsmarkt zu integrieren gilt. Dabei gibt es für die Unternehmen schon jetzt Möglichkeiten, von der Lohnuntergrenze abzuweichen. Der Mindestlohn taugt also auch hier nicht als Buhmann.

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