Kommentar zum Mindestlohn: "Gewagtes Experiment"

Stefan Vetter über den Mindestlohn

Der Gesetzentwurf von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) zum Mindestlohn von 8,50 Euro steht. Am 2. April soll der Entwurf im Bundeskabinett verabschiedet werden. Ein Kommentar dazu von unserem Berliner Korrespondenten Stefan Vetter.

Die SPD hat Wort gehalten. Der von ihr im Wahlkampf vehement verfochtene Mindestlohn von 8,50 Euro ist auf dem Weg ins Gesetzblatt. Für vier Millionen Arbeitnehmer verbessern sich damit die Vergütungsbedingungen. Und das zum Teil erheblich.

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Im Kern handelt es sich freilich um ein gewagtes wirtschaftliches Experiment. Schließlich gibt es auch die vom Arbeitsmarkt Abgehängten, also Menschen mit schlechter oder überhaupt keiner Qualifikation. Da ist es sinnvoll, solche Personen zumindest für eine begrenzte Zeit vom Mindestlohn auszunehmen, um zusätzliche Einstellungshemmnisse zu vermeiden.

Trotzdem darf am Ende nicht Ideologie über Vernunft triumphieren. Denn einerseits hat Arbeitsministerin Andrea Nahles erkannt, dass es besonders für Jugendliche mit schlechten Schulnoten attraktiver sein könnte, einen nach Mindestlohn bezahlten Hilfsjob anzunehmen, als sich den Mühen einer schlechter vergüteten Ausbildung zu unterziehen.

Andererseits sagen Statistiken, dass das Durchschnittsalter bei Ausbildungsbeginn in Deutschland mittlerweile bei fast 20 Jahren liegt. Da ist es schon einigermaßen rätselhaft, warum die Ministerin eine Altersgrenze von nur 18 Jahren ins Gesetz schreiben will, bis zu der kein Mindestlohn zu zahlen wäre. Denn damit handelt Nahles letztlich gegen ihre eigene Überzeugung.

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