Kommentar zu Mindestlohn und Schwarzarbeit: Doppelmoral

Ob der Mindestlohn die Schwarzarbeit befördert, ist längst noch nicht ausgemacht, sagt HNA-Redakteurin Martina Hummel.

Ein Gesetz ist nur etwas wert, wenn es auch kontrolliert werden kann. Die Dokumentation, die den Arbeitgebern beim Mindestlohn auferlegt wurde, ist zwar lästig, aber sie liefert die Basis dafür. Womöglich ist dieser Bürokratieaufwand auch das erste wirksame Mittel, um Grauzonen in Gaststätten und Hotels zu lichten und mögliche Schwarzarbeit zu ahnden.

Denn offensichtlich muss dieser Aufwand in dieser Form betrieben werden, wenn man von schwarzen Schafen in den Reihen der Arbeitgeber hört, die versuchen, die 8,50 Euro zu umgehen. Sich darüber zu empören, wenn ein prominenter Steuersünder ertappt wird, aber jemanden privat schwarz putzen zu lassen, als Kavaliersdelikt zu verbuchen, das ist eine fragwürdige Doppelmoral.

Handwerker oder Haushaltshilfen unter der Hand zu bezahlen, ist illegale Schwarzarbeit, die allen schadet. Denn für Steuern und Sozialabgaben, die nicht abgeführt werden, kommt am Ende die Solidargemeinschaft auf. Dies gilt gleichermaßen für sittenwidrig niedrige Löhne, die in mancher Branche vor dem Mindestlohn gezahlt wurden.

Ob der Mindestlohn die Schwarzarbeit allerdings wirklich befördert, wird erst am Ende des Jahres feststehen. Alles andere ist Kaffeesatzleserei.

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