Kommentar zur möglichen Zerstörung von Schlepper-Booten

Die EU-Außen- und Verteidigungsminister wollen am Montag in Brüssel auch über die Pläne für Militär-einsätze gegen libysche Schleuserbanden sprechen, bei denen gezielt zum Transport von Flüchtlingen über das Mittelmeer genutzte Schiffe zerstört werden sollen. Ein Kommentar von HNA-Redakteurin Martina Hummel.

Es scheint der Europäischen Union mit ihrem Plan ernst zu sein, in Libyen eine Militäraktion gegen Flüchtlingsschleuser zu starten. Zumindest soll heute in Brüssel auf Ministerebene darüber gesprochen werden. Falls die Vereinten Nationen und die rivalisierenden Regierungen in Libyen zustimmen, soll der Plan noch im Juni auf den Weg gebracht werden.

So viel Tempo legt die Europäische Union selten an den Tag. Dabei sind viele Fragen offen: Wer entscheidet, was ein Schleuser- oder ein Fischerboot ist? Versucht man, die Köpfe der Schlepperbanden zu fassen, oder gibt man sich mit den Handlagern zufrieden? Wie sieht es mit einer Strafverfolgung aus? Und wer glaubt ernsthaft daran, dass man mit Schiffeversenken Schleuser abschrecken kann, die mit ihrem Geschäft Millionen verdienen?

Das Flüchtlingsdrama löst man nicht mit militärischem Eingreifen. Die Menschen, die von Libyen mit dem Boot fliehen wollen, werden unter elenden Bedingungen dort ausharren. Deshalb wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis sie neue Wege finden - über die Türkei oder Tunesien.

Das Geschäftsmodell bricht durch Militäreinsätze nicht zusammen. Besser wäre es, wenn die Europäische Union erst ihren inneren Konflikt um die Aufnahmequoten bei Flüchtlingen löst, als Hardlinern in ihren Reihen das Wort zu reden.

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