Kommentar zum Tod von König Abdullah: Kaum Hoffnung auf Wandel in Saudi-Arabien

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Saudi-Arabien trauert um seinen König, der Westen verliert in Abdullah einen Bündnispartner. Dazu ein Kommentar von Nachrichtenredakteur Wolfgang Blieffert.

Öffentliche Hinrichtungen, staatliche Folter, drakonische Strafen - Saudi-Arabien ist ein Land, vor dem es jeden Humanisten grausen muss. Der Fall des Bloggers Raif Badawi, den ein islamisches Rechtsgutachten zum Ungläubigen erklärte und der dafür mit 1000 Stockhieben und zehn Jahren Haft bestraft wurde, ist nur ein Beispiel für die Unmenschlichkeit des Justizsystems.

Ein schönes Zeichen wäre es, wenn der neue saudische König Salman ein Erbarmen hätte und Badawis Strafe revidieren würde. Doch der fromme Wunsch verkennt die brutale Realität in Riad. Denn die überharte Strafe ist nur ein Ausdruck der Krise, in dem sich das Königreich Saudi-Arabien befindet. Mit dem Exempel, das an Raif Barawi exekutiert wird, will das Herrscherhaus der Wahhabiten zeigen, dass es der wahre islamische Staat ist. Jede Milde würde die in Syrien und dem Irak wütende Terrormiliz IS als Verrat werten und Saudi-Arabien noch stärker ins Visier der Fanatiker rücken.

Gerade weil eine grundlegende Änderung der Menschenrechtspolitik durch die Regierung in Riad nicht zu erwarten ist, haben die Gefolterten und Geknechteten Anspruch auf unsere Solidarität. Da mag Saudi-Arabien noch so sehr Stabilitätsfaktor in der Krisenregion und gern gesehener Wirtschaftspartner sein: Ein demokratischer Staat wie Deutschland hat stets die Menschen und ihre Rechte im Auge zu behalten. Auch Realpolitik braucht Moral.

Kontakt zum Autor: bli@hna.de

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