Kommentar zur Nationalhymne: Im Herzen statt im Grundgesetz

Die CDU möchte den Text der Nationalhymne im Grundgesetz verankern. Doch die anderen Parteien wollen nicht mitmachen. Dazu ein Kommentar unseres Nachrichtenredakteurs Wolfgang Blieffert.

Zwei verlorene Weltkriege und ein Völkermord haben tiefe Spuren hinterlassen. Nach diesen Erfahrungen blieb die 1949 gegründete Bundesrepublik Deutschland ein eher symbolarmer Staat: Es gab keine Fahnenmeere wie bei den Nazis, die Nationalhymne wird bis heute nur bei wenigen, meist besonderen Anlässen gesungen.

Positiv besetzte politische Mythen wie der Sturm auf die Bastille für die Franzosen oder die Erinnerungen an den Befreiungskrieg für die Amerikaner hatten die Deutschen wegen der Brüche in ihrer Geschichte kaum. Das kann von Vorteil sein, Politik lässt sich dann rationaler gestalten.

Mythen und Symbole stärken aber eben auch die kollektive Identität. In Deutschland haben lange Zeit Währungsreform und Wirtschaftswunder diese Rolle übernommen. D-Mark und Mercedes-Stern bestimmten das Bewusstsein der Nation. Das Zeigen von Schwarz-Rot-Gold und das Singen des Deutschlandlieds ist in der Bundesrepublik erst relativ spät Normalität geworden. Geschadet hat das niemandem.

Den Text des Liedes jetzt formal zu adeln, ist überflüssig. Wem die Hymne wichtig ist, braucht sie nicht im Grundgesetz, sondern trägt sie im Herzen.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.