Ein Pulverfass im Nahen Osten

Kommentar zum Mord in einer Synagoge: Neue Dimension der Gewalt

Der Mord an betenden Juden in einer Synagoge und das Bedürfnis nach Vergeltung birgt neue Gefahren für das Pulverfass Nahost meint HNA-Redakteur Wolfgang Blieffert.

Die Geschichte des Nahen Ostens ist so reich an mörderischen Terrorangriffen, dass die Bekundungen von Abscheu und Entsetzen leicht zur Routine verkommen. Dennoch ist mit dem gestrigen Mordanschlag eine neue Dimension der Gewalt erreicht worden: Die blutige Tat geschah mitten in Westjerusalem, sie galt betenden Gläubigen einer Synagoge, ein Albtraum für alle Juden.

Deshalb wird das Massaker das Sicherheitsgefühl der Israelis nachhaltig beeinträchtigen. Zumal die Täter nicht von außerhalb, sondern aus Jerusalem selbst stammten. Und sie nicht mit Sprengstoffgürteln oder schweren Waffen anrückten, sondern offenbar nur mit Messern, Beilen und einer Pistole.

Der Anschlag auf die Synagoge wird den Extremisten in der israelischen Gesellschaft weiteren Auftrieb verschaffen. Das Bedürfnis nach Vergeltung ist groß, die Bereitschaft zum Dialog gering. Für die nächsten Tage verheißt das nichts Gutes.

Verschärft wird der politische Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis durch den neuen Streit um die Nutzung des Jerusalemer Tempelberges, der für Juden und Muslime gleichermaßen zu den höchsten heiligen Stätten gehört. Wo Glaubenssätze die Menschen von ihrer eigenen Verantwortung entheben, da öffnen sich Abgründe, da liegen die Nerven blank. Ein einziger Funke kann das nahöstliche Pulverfass erneut zur Explosion bringen.

Kontakt zum Autor:  bli@hna.de

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