Kommentar zur neuen Endlager-Suche: "Historisches Atom-Finale"

Nach über 35 Jahren Konzentration auf Gorleben startet in Deutschland wieder eine bundesweite Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Atommüll. Dazu ein Kommentar von Tibor Pézsa.

Natürlich wusste man auch schon vor Jahrzehnten, dass verbrauchte, hochradioaktive Brennstäbe aus Atomkraftwerken über unvorstellbar lange Zeiträume sorgfältigst gelagert werden müssen. Aber im Streit um die Atomkraft galt die Endlagerfrage vielen Befürwortern als Detail, weil noch weit, weit weg.

Der Kampf um das mögliche Atomendlager in Gorleben spaltete in der alten Bundesrepublik eine ganze Generation. Jetzt, da die Sache mit großer gesellschaftlicher Zustimmung entschieden ist, wird deutlich, dass die Kritiker damals mit ihrer Forderung im Recht waren, alle, aber auch wirklich alle Kosten der Atomkraft in die Wirtschaftlichkeitsberechnung einzubeziehen. Es ist eine denkwürdige Pointe, dass die Betreiberfirmen nun ihre Kosten vergemeinschaften wollen, als ob denen nie Gewinne gegenüber gestanden hätten.

Der gestern begonnene Neustart einer gemeinsamen Endlagersuche ist gewiss nur ein erster Schritt zur Bewältigung der Altlast. Aber er verdient dennoch das Prädikat historisch, weil er das Finale der deutschen Atompolitik einläutet. Wenn es gut läuft, haben wir die Chance, den Großkonflikt um die Atomkraft in hohem gesellschaftlichen Konsens abzuschließen. Läuft es schlecht, dann wird es noch sehr lange Streit geben, weil von Anfang an nicht die ganze Wahrheit auf dem Tisch lag.  

E-Mail an den Autor: tpa@hna.de

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