Kommentar zur neuerlichen Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer

Sie wollten von Nordafrika nach Europa: Im Mittelmeer sind bei einem Bootsunglück offenbar Hunderte Flüchtlinge gestorben. Ein Kommentar von Wolfgang Blieffert.

Was macht das Foto des toten Flüchtlingsjungen an einem türkischen Badestrand eigentlich mit uns? Oder die Nachricht von einer neuen Katastrophe im Mittelmeer mit hunderten Toten?

Wen die schier alltäglichen Tragödien noch nicht abgestumpft haben, der wird Trauer empfinden, vielleicht Entsetzen. Und wird hoffen, dass das humanitäre Zeichen, das der Papst jetzt setzte, als er muslimische Familien von Lesbos in den Vatikan mitnahm, im politischen Raum Nachahmer finden möge. Zyniker wiederum werden von ein paar harten Bildern sprechen, von einem Wasserrohrbruch, der nicht abgedichtet werde, und davon, dass man sich nicht von Kinderaugen erpressen lassen dürfe.

Doch gegen immer wiederkehrenden Flüchtlingskatastrophen hilft letztlich nur der Versuch, die Fluchtursachen - Armut, Hunger, Überbevölkerung, fehlende Bildung und Bürgerkriege - zu bekämpfen. Das ist in erster Linie Sache der betroffenen Länder, und dabei haben sie jede Unterstützung verdient.

Genau hier kuriert der neue Plan von Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi nur an den Symptomen herum: Afrikanische Staaten sollen dafür bezahlt werden, Menschen an der Flucht zu hindern. Aber wer fliehen muss, findet immer einen Weg. Und die Finanzierung von Renzis Plan - gemeinsame Anleihen, die Euro-Bonds - ist alles andere als unproblematisch.

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