Kommentar zu Nicolas Sarkozy: Alter Wein aus neuen Schläuchen

Birgit Holzer über Nicolas Sarkozy

Frankreichs Ex-Präsident Sarkozy will zurück ins Amt. Doch hat er aus seinen Fehlern gelernt? Unsere Pariser Korrespondention ist skeptisch. Ein Kommentar von Birgit Holzer.

Bei Nicolas Sarkozys Rückkehr auf die politische Bühne Ende letzten Jahres dominierte eine Frage: Hat sich der Ex-Präsident geändert? Dass er aus seinen Fehlern lernen konnte und wollte, die ihn die Wiederwahl kosteten, galt als Voraussetzung für diese neue Chance, die er einforderte. Zwar bemüht er sich erkennbar, weniger autoritär vorzugehen und andere stärker einzubinden. Zusammenbringen statt spalten, so lautet die Devise auch beim Parteitag am kommenden Samstag. Und die Umbenennung der UMP-Partei in „Die Republikaner“ dient als Signal für einen Neubeginn nach einer Serie von Skandalen.

Doch es handelt sich um eine Täuschung: Sarkozy schenkt alten Wein aus neuen Schläuchen ein. Wie wenig er sich tatsächlich geändert hat, demonstriert der Ex-Staatschef bei jedem öffentlichen Auftritt: Er ist der aggressive Kämpfer und wendige Politprofi geblieben, der statt über echte politische Überzeugungen über eine gewaltige Portion Opportunismus verfügt. Wenn er sich gegen ein zweites Gericht ohne Schweinefleisch für muslimische Kinder in Schulkantinen ausspricht, biedert er sich lediglich Marine Le Pens Wählern an.

Doch mehr als das Schulmenü treibt die Frage die Franzosen um, wie nachhaltig Wachstum und Arbeitsplätze geschaffen werden können. Auf sie fand die UMP unter Sarkozy noch keine überzeugende Antwort. Neue Vorschläge und Ideen ist er bislang weitgehend schuldig geblieben. Fordert er beispielsweise jetzt einen entschlosseneren Sparkurs, muss er sich fragen lassen, warum gerade unter ihm Frankreichs Schuldenberg schneller wuchs denn je zuvor.

Kontakt zur Autorin: nachrichten@hna.de

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