Kommentar zum niedrigen Euro-Kurs: Die Droge Geld

Der Euro verliert gegenüber der US-Währung an Boden und ist momentan nur wenig mehr als 1,20 Dollar wert - so wenig, wie seit 2010 nicht mehr. Ein Kommentar von Barbara Will.

EZB-Chef Mario Draghi ist in einer paradoxen Lage: Die Geldflut, die Bereitschaft zum Anleihenkauf und das Credo, den Euro um jeden Preis zu retten, haben der Europäischen Zentralbank eine Macht über die Märkte gegeben, an die keine politische EU-Institution heranreicht.

Doch in einem entscheidenden Punkt sind Draghi die Hände gebunden: Mit billigem Geld allein lassen sich Wirtschaftswachstum und Stabilität nicht kaufen. Die Grundlagen dazu müssen die EU-Länder mit Reformen schaffen – und diese werden verschleppt. Die Krisenstaaten haben die Geschenke der EZB angenommen, sind die Gegenleistung aber schuldig geblieben. Stattdessen hat die Geldflut viele falsche Gewinner hervorgebracht. Staaten können sich billig verschulden, Spekulanten stattliche Renditen einstreichen. Der Verbraucher aber freut sich nur so lange über kaum steigende Preise, bis er merkt, dass sein Sparbuch keinen Gewinn abwirft, sondern Geld verzehrt.

Die EZB kämpft gegen die Folgen ihrer eigenen Strategie: Die niedrige Teuerung könnte Investitionen abwürgen statt sie zu fördern. Der niedrige Eurokurs wird die Exporte konkurrenzfähiger machen und damit gerade Ländern wie Deutschland helfen. Die Probleme der EU-Wackelländer heilt er nicht. Die Andeutung, mit Anleihe-Ankäufen zu beginnen, bedeutet eine weitere Geldflut. Diese ist wie eine Droge. Je stärker die Dosis ist, desto schmerzlicher wird der Entzug.

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