Kommentar zum NSU-Prozess: Pflicht zur Verteidigung

Dass das Verhältnis zwischen Beate Zschäpe und ihren ersten drei Pflichtverteidigern schon seit längerem zerrüttet ist, konnte niemandem verborgen bleiben. Ein Kommentar von HNA-Redakteur Wolfgang Blieffert.

Die Angeklagte und ihre Anwälte sprachen nicht mehr miteinander und straften einander mit Desinteresse.

Die Gründe blieben unklar, beide Seiten haben sich eher unkonkret geäußert, auch gegenüber dem Gericht. Insofern ist es nicht erstaunlich, dass der Antrag der drei Verteidiger auf Entpflichtung abgelehnt wurde. Denn das Verhältnis zu Zschäpe mag zwar gestört sein, es ist aber die originäre Aufgabe von Pflichtverteidigern, ihre Arbeit bis zu einem Urteil fortzusetzen. Als Organ der Rechtspflege sind auch sie für die Sicherung des Verfahrens zuständig. Und wenn die Angeklagte nicht mit den Anwälten spricht, dann müssen diese eben nach Aktenlage verteidigen.

Denn eines bewirkt sicher keinen Rechtsfrieden: Dass ein Prozess allein schon platzen kann, weil ein Angeklagter ein zerrüttetes Verhältnis zu seinen Anwälten behauptet. Oder eben Anwälte aus den gleichen Gründen nach Hause gehen wollen. Bei allem Verständnis für die Interessen von Angeklagten und Verteidigern: Die Angehörigen der Opfer und die Öffentlichkeit haben ein Anrecht darauf, dass der Prozess zu einem Urteil kommt.

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