Kommentar zum Paukenschlag bei VW: Piëch ist zu weit gegangen

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Ferdinand Piëch schmeißt hin: Nach einem zweiwöchigen Machtkampf mit VW-Chef Martin Winterkorn gibt der 78-Jährige seinen Posten als Aufsichtsratschef von Europas größtem Autobauer ab. Doch bei diesem wird noch lange keine Ruhe einkehren, und mit Piëch ist durchaus noch zu rechnen: Ein Kommentar von Barbara Will.

Ferdinand Piëch ist zu weit gegangen. Der gewiefteste Haudegen der Autoindustrie hat im Machtkampf mit Martin Winterkorn seine eigene Position über- und die Hausmacht seines Ziehsohns unterschätzt. Damit hat er seinem Abgang selbst die Würde genommen, die er verdient hätte: Statt der Anerkennung für das Lebenswerk des genialen Ingenieurs gab es zwei schallende Ohrfeigen des Aufsichtsratspräsidiums, das sich erst hinter Winterkorn stellte und wenig später seinem Aufsichtsratschef das Vertrauen entzog.

Bei VW hat sich der Sturm gelegt, aber deshalb wird noch keine Ruhe einkehren. Denn der auf das Duo Piech/Winterkorn zugeschnittene Konzern braucht eine Neuausrichtung. Er muss dezentraler werden, mit eigenständigeren Sparten. Fähige Köpfe gibt es: Seit Februar leitet der der erfahrene Daimler-Manager Andreas Renschler das Nutzfahrzeuggeschäft der Wolfsburger, und ab Herbst soll der vormalige BMW-Entwicklungschef Herbert Diess die renditeschwache Marke Volkswagen auf Touren bringen.

Ein Problem für eine Neustrukturierung könnten Winterkorn und Piëch sein. Konzernchef Winterkorn hat zwar die Macht, aber nicht die Visionen für neue Strategien, und Chef-Kontrolleur Piëch verschwindet erst einmal von der Bildfläche, aber nicht in der Versenkung. Der Porsche-Enkel ist Großaktionär, und es ist zu erwarten, dass er im Hintergrund weiter die Fäden ziehen wird.

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