Unter Tricksern - Kommentar über Wulff und die Bild-Zeitung

Die weihnachtliche Schonfrist ist abgelaufen: Bundespräsident Christian Wulff hatte nur wenig Zeit, zu verschnaufen. Denn inzwischen gibt es einen weiteren Aufreger: Wulff versuchte persönlich, die Berichterstattung der Bild-Zeitung über seinen Privatkredit zu verhindern. Ein Kommentar:

Tibor Pézsa

Das Ärgerliche an der Affäre um den Hauskredit des Bundespräsidenten ist, dass sowohl Christian Wulff als auch die Bild-Zeitung Ehrlichkeit fordern und für sich behaupten, dass aber beide ihre Auftritte wohlbedacht inszenieren. Der feine Unterschied: Für die Bild-Zeitung geht es um Storys. Für Wulff um Ehre und politische Existenz.

Jeder kann hier leicht eins und eins zusammenzählen: Wulff spricht dem Bild-Chefredakteur auf die Mailbox, und dann ist die Sache plötzlich bei FAZ, Süddeutscher & Co.? Der journalistische Wille zum Anheizen der Affäre ist unverkennbar. Doch paradoxerweise stabilisiert genau dies den Präsidenten.

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Kein Bürger lässt sich gern das Staatsoberhaupt abschießen. Schon gar nicht - nach Horst Köhler - zum zweiten Mal. Doch die Hinweise, dass Wulff vor dem niedersächsischen Landtag und unter dem Eindruck journalistischer Recherche getrickst hat, sind unabweisbar: Wie passt zusammen, dass er öffentlich seinen Willen zur Transparenz bekundet, aber gleichzeitig mit Drohungen versucht, Berichterstattung zu verhindern? Wie ist zu verstehen, dass er am 15. Dezember erklärt, er habe sein unglaublich günstiges Geldmarktdarlehen in ein übliches Bankdarlehen umgewandelt, dies aber erst sechs Tage später unterzeichnet?

Lange hat Wulff von wohlwollenden Bild-Geschichten über sich, über seine Scheidung und sein Privatleben profitiert. Jetzt dreht sich der Wind. Und das Volk lernt, dass es auch bei seinem Bundespräsidenten zwischen Story und Wirklichkeit unterscheiden muss.

Von Tibor Pézsa (tpa@hna.de)

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