Lebenswirklichkeit hat sich geändert

Kommentar zur Trauschein-Regelung: Politik muss handeln

Jedes zehnte Paar ist ungewollt kinderlos - Krankenkassen dürfen aber nur Paaren mit Trauschein helfen. HNA-Redakteurin Petra Wettlaufer-Pohl findet die Regelung ungerecht.

Auf den ersten Blick haben die Richter am Bundessozialgericht recht lebensfremd entschieden: Die Zeiten, in denen nur die Ehe als Garant für Stabilität und Sicherheit von Beziehungen - auch zwischen Kindern und Eltern - galten, sind vorbei.

Doch unter den gegebenen gesetzlichen Bedingungen, die vom Bundesverfassungsgericht bestätigt wurden, war die Entscheidung zu erwarten: Das fünfte Sozialgesetzbuch, das die Leistung für Versicherte im Falle der künstlichen Befruchtung regelt, hebt ausdrücklich auf Ehepaare ab.

Deshalb ist es der Gesetzgeber, der handeln muss. Im Übrigen nicht nur, weil die Lebenswirklichkeit von Familie sich längst geändert hat; sondern auch, weil es doch merkwürdig ist, dass bei einer Krankenkasse Ehepaare andere Leistungen bekommen als Ledige. Das heißt nichts anderes, als dass Ledige in der Solidargemeinschaft die Behandlungskosten bei unerfülltem Kinderwunsch für Ehepaare über ihre Beiträge zahlen müssen. Sie selbst gehen aber leer aus, wenn sie eine Behandlung anstreben.

Mag sein, dass die BKK vor allem aus Wettbewerbsgründen eine besondere Leistung bieten wollte. Hätte sie vor Gericht Erfolg gehabt, hätten aber auch andere Kassen nachziehen müssen.

Denn so selten kommt das Problem nicht vor: Fast jedes zehnte Paar ist ungewollt kinderlos, heißt es auf der Internet-Seite des Bundesfamilienministeriums. Auch denen ohne Trauschein sollte geholfen werden. wet@hna.de

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