HNA-Kommentar 

Polizeieinsätze bei Bundesliga-Spielen: "Überfälliges Urteil"

Die Deutsche Fußball Liga muss sich an Mehrkosten für Polizeieinsätze bei Hochrisikospielen der Bundesliga beteiligen. Ein Kommentar von Nachrichtenredakteur Jörg-Stephan Carl. 

Im Grunde wird der Fan in den Stadien der Fußball-Bundesliga kaum noch gebraucht. Er ist nur Staffage, die für eine emotionale Lautmalerei bei Fernsehübertragungen sorgt. Fürs Geschäft, fürs existenzielle Wohl der Vereine ist sein Ticketkauf überflüssig.

Der Rubel rollt auch so. TV-Übertragungsrechte, Sponsoren, Konzerne, Mäzene, VIPs, Werbung und Merchandising, der Handel mit Spielern - all das garantiert den Vereinen und der DFL als Veranstalter des Bundesliga-Wettbewerbs Milliardeneinnahmen. Der Reichtum manifestiert sich in immer abartigeren Gehaltshöhen und Ablösesummen.

Dumm nur, dass die Fans dennoch in die Stadien gehen. Sie verursachen hohe Kosten. Denn mit ihnen kommen Hooligans, gewaltbereite Jugendliche, Rechtsradikale. Diese Hundertschaften sind ein fußballspezifisches Problem. Hat man je von Ausschreitungen beim Basket-, Volley-, Handball oder Turniertanzen gehört? Die Gewaltrituale des Fußballs erfordern immer umfangreichere und teurere Polizei-Einsätze. Weil Bundesliga-Klubs und DFL diese Kosten jahrelang sozialisieren konnten, ohne dass sie am Grundproblem etwas änderten, finanzierte der Steuerzahler den Reichtum der Branche erzwungenermaßen mit.

Dass OLG-Richter nun sagen, das müsse eine Ende haben, ist überfällig. Ihre Urteilsbegründung ist schlüssig: Die Polizei sorgt für die Sicherheit, also dafür, dass ein Spiel überhaupt stattfinden kann, und damit mittelbar auch anteilig für den Profit des Unternehmens DFL, ihrer Vereine und deren Finanziers. Die Nutznießer müssen folglich zahlen. Sie können es auch, Geld ist genug vorhanden.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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