Kommentar zum Postbank-Gebührenerlass: "Kundentreue honorieren"

Dass ältere Menschen die von der Postbank verlangten 99 Cent pro handgeschriebener Überweisung nicht zahlen müssen, wissen viele Senioren nicht, da das Unternehmen nicht damit hausieren geht. Dazu ein Kommentar von Wolfgang Riek.

Mit Geld Geld zu verdienen, das funktioniert auch für Banken nicht mehr so gut wie zu Hochzins-Zeiten. Nicht nur die Postbank versucht deshalb, einerseits Kosten zu verringern und andererseits über Gebühren die Einnahmen zu erhöhen. Juristisch sind die 99 Cent pro Überweisung auf Papier offenbar nicht zu bemängeln. Klageankündigungen haben Verbraucherschützer jedenfalls schnell wieder kassiert.

Was die Geschäftsstrategie angeht, ist der große Schluck aus der Gebührenpulle nachvollziehbar: Wer kann und nicht jede Buchung teuer bezahlen will, wechselt zum Internetbanking. Das ist gewollt, denn Personal ist teuer. 90 Prozent aller Überweisungen würden online erledigt, meldete der Postbank-Vorstand jüngst zur Hauptversammlung. Mit restlichem „Ausbaupotenzial“sind wohl alte und sehr alte Internet-Nichtnutzer gemeint.

Sozialklimbim? Nein. Jene, die sich vor der Alternative zahlen, surfen oder kündigen sehen und Internet nur von ihren Enkeln kennen, sind meist treue Postbank-Kunden, alte und sehr alte.

Mit der Seniorenkulanz honoriert die Postbank Kundentreue - und macht ganz Alten das Leben in beschwerlichen Jahren etwas leichter. Gut so. Noch besser wäre es, die Entgeltbefreiung klar zu regeln und nicht durch Mund-zu-Mund-Propaganda verbreiten zu lassen wie weihnachtliche Südfrüchte-Lieferungen zu DDR-Zeiten.

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