Kommentar zur Lage im Irak: "Praktisch gescheitert"

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Wolfgang Blieffert über John Kerry

Der Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte steht vor einem Drahtseilakt: Präsident Barack Obama will den Vormarsch von Dschihadisten im Irak vorübergehend stoppen, sich aber nicht in einen neuen Krieg verwickeln lassen. Ein Kommentar von Nachrichten-Redakteur Wolfgang Blieffert.

Armer John Kerry, niemand will so recht auf die Vorschläge des US-Außenministers eingehen. Am Montag warb er in Bagdad bei Regierungschef al-Maliki um die Bildung einer Einheitsregierung aus Schiiten, Sunniten und Kurden, gestern tat er selbiges im kurdischen Erbil. Ohne wirklichen Erfolg.

Denn Maliki ist für Sunniten und Kurden schon lange kein akzeptabler Gesprächspartner mehr, hat er doch seine schiitische Bevölkerungsgruppe gnadenlos bevorzugt. Das Interesse der Kurden wiederum richtet sich angesichts des verfallenden Irak eher auf einen eigenen Staat. Und ob sich moderate Sunniten auf eine Einheitsregierung in Bagdad einlassen, wo doch die sunnitischen Isis-Milizen vor der Hauptstadt stehen, darf bezweifelt werden.

Armer Barack Obama: Er steht nicht nur vor dem Scherbenhaufen der Irak-Politik seines Vorgängers George W. Bush, der einen mit gefälschten Beweisen begründeten Krieg gegen Saddam Hussein führte. Sondern er muss auch erkennen, dass sein Truppenabzug aus dem Irak überstürzt war und alle jetzt erörterten Optionen mehr Schaden als Nutzen bringen.

In der Folge droht dem Irak ein Desaster, das unberechenbare Folgen für die Nachbarstaaten nach sich ziehen wird: Militärische Auseinandersetzungen, politisches Chaos, Flüchtlingsströme. Arme Region.

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