Kommentar zur Renaissance der Diktatoren

Kommentator Werner Kolhoff fordert von der EU einen selbstbewussten Umgang mit autoritären Herrschern wie Erdogan, Putin und Lukaschenko.

Das Selbstbewusstsein, das die EU nach ihrer friedlichen Einigung und Erweiterung bisher gegenüber den Diktatoren dieser Welt hatte, scheint mit einem Schlag dahin zu sein. Selbst mit massiven Problemen konfrontiert, den Flüchtlingen und den Konflikten in Syrien und der Ukraine, zerstieben die Ideale wie eine Pusteblume im Wind. Reccep Erdogan und Wladimir Putin werden wieder hofiert, gegen Weißrusslands Alexander Lukaschenko sollen die Sanktionen aufgehoben werden.

Dabei hätte der Kontinent genug ökonomische, politische und militärische Kraft, um darauf nicht so angewiesen zu sein. Allein, die Europäer wirken nicht wie ein machtvolles demokratisches Gegenmodell, vor dem man in der Welt Respekt hat, sondern wie ein Hühnerstall, über den Putin und Co. nur lachen. Da liegt das Problem.

Wohl wahr, man muss Kompromisse machen, sich arrangieren, auch mit unangenehmen Partnern. Das ist Realpolitik. Bloß: Wie weit geht man dabei? Es kommt immer auf das Maß an - und auf die Maßstäbe. Innenminister Thomas de Maizière sagte kürzlich mit Blick auf die Türkei, man solle sich abgewöhnen, „mit dem Gestus der Rechthaberei auf dem moralischen Sockel der Menschenrechte zu sitzen“. Der Satz zeigt, wo die Abrutschkante ist.

Erdogan, Lukaschenko und Putin ist gemeinsam, dass sie sich und ihre Vasallen durch Manipulation und Repression auf Lebenszeit an der Macht halten wollen. Doch auch ihre Zeit ist endlich. Ihre Systeme sind langfristig zum Scheitern verurteilt, weil sie keinen inneren und äußeren Frieden schaffen können und damit auch keinen nachhaltigen Wohlstand. Europa sollte nicht auf die falschen Pferde setzen. Auch nicht in der Not.

Rubriklistenbild: © k r o h n f o t o . d e

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