Kommentar zur Rolle von CDU und CSU: Konflikt vertagt

CSU-Chef Horst Seehofer war Gastredner beim CDU-Parteitag. Er gab sich versöhnlich, beharrt aber auf einer Obergrenze für Flüchtlinge. Ein Kommentar unseres Korrespondenten Werner Kolhoff.

Dass es Spannungen gibt zwischen CDU und CSU, ist nur natürlich. Die CDU hat den Anspruch, Volkspartei auf dem Land wie in vielen Städten, in SPD-dominierten Gegenden wie in Hochburgen der Linken oder der Grünen, in katholischen wie in protestantisch oder nicht-konfessionell geprägten Regionen zu sein. Die CSU agiert in einem vergleichsweise homogen strukturierten Gebiet: Bayern.

So lange die beiden Schwestern sich ihres Unterschiedes bewusst sind und ihn bewusst nutzen, haben sie beide Gewinn davon. Die eine, die CDU, kann ohne die Bayern im Bund nicht regieren, die andere ohne ihre Sonderrolle nicht den bundespolitischen Einfluss haben, den sie hat. Wenn die Spannungen aber überdehnt werden, kann es zum Riss kommen.

In der Flüchtlingsfrage hat Horst Seehofer das getan. Nicht nur mit seiner Forderung nach einer Obergrenze, von der er weiß, dass die Kanzlerin sie mit nationalen Mitteln nicht durchsetzen kann. Jedenfalls nicht human. Sondern auch in der zuspitzenden, gegenüber Angela Merkel sogar persönlich verletzenden Art, wie er sie durchzusetzen versuchte. Das war nicht auf Biegen, das war auf Brechen.

Nach dem Auftritt Seehofers beim CDU-Parteitag in Karlsruhe ist dieser Konflikt nur scheinbar beigelegt. Angela Merkel hat vom CSU-Chef lediglich etwas mehr Zeit bekommen, den Flüchtlingszustrom zu stoppen. Maximal bis Mitte 2016. Dann wird der Bayer sich wieder melden - und zur Not mit Bruch drohen.

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