Kommentar zur Rolle der Kanzlerin: Für sie gibt’s nur entweder

Bundeskanzlerin Angela Merkel beharrt auf ihren Positionen und hat keinen Plan B in der Flüchtlingskrise. Ein Kommentar von Nachrichtenchef Tibor Pézsa.

Und was, wenn sich Übergriffe in der Öffentlichkeit und Fremdenfeindlichkeit immer tiefer in die Gesellschaft graben? Was, wenn die Türken immer neue Gegenleistungen fordern? Was, wenn Griechenland in der kombinierten Schulden- und Fluchtkrise als Staat kollabiert? Welche Chance hat die europäische Theorie der Kanzlerin, wenn doch die Praxis längst aus nationalen Alleingängen besteht? In Slowenien, Polen und Ungarn ebenso wie in Schweden, Dänemark, Österreich, Frankreich und Großbritannien?

Alles, was zu diesen Fragen von der Kanzlerin zu hören ist, hat sie nun auch wieder in Volkmarsen gesagt, kurz: Es gibt keinen Plan B, nicht einmal eine Frist für Plan A. Da können ihre wahlkämpfenden Parteifreunde in den hessischen Städten, Kreisen und Gemeinden noch so barmen, auch die CDU-Spitzenkandidaten Guido Wolf in Baden-Württemberg, Julia Klöckner in Rheinland-Pfalz und Reiner Haseloff in Sachsen-Anhalt, auch Merkels Koalitionspartner Sigmar Gabriel.

Zwar hat Angela Merkel ihren Kurs schon oft sehr tiefgreifend geändert. Aber warum lehnt sie in der Fluchtkrise scheinbar jeden Kompromiss ab? Weil sie nicht als diejenige Bundeskanzlerin in die Geschichte eingehen möchte, der das europäische Einigungswerk unter den Händen zerbrach. Historiker werden sich einmal darüber streiten, ob ihre Kompromisslosigkeit Teil des Problems war oder Teil der Lösung.

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