Kommentar zu russischen Flugmanövern: Gefährliche Muskelspiele

Wolfgang Blieffert über die russischen Flugmanöver

Russische Kampfflieger über europäischen Meeren beunruhigen Europa. HNA-Redakteur Wolfgang Blieffert hält eine neue Entspannungspolitik für überfällig.

Die Deutsche Flugsicherung steht nicht im Verdacht, das Geschäft von Präsident Wladimir Putin zu besorgen. Deshalb noch einmal zum Mitschreiben: Die Flüge russischer Militärmaschinen über Nord- und Ostsee, Atlantik und Schwarzem Meer sind völlig legal.

Dennoch ist es beunruhigend, wenn Piloten von Militärflugzeugen über Europa unterwegs sind, die ihre Transponder nicht einschalten und auf dem Radar der zivilen Flugsicherung nicht sichtbar sind. Ähnliche politisch-militärische Muskelspiele erleben wir in diesen Wochen auch, wenn Nato-Schiffe im Schwarzen Meer manövrieren und ihre Abfangjäger über dem Baltikum patrouillieren.

Angesichts solcher Szenarien ist es müßig zu diskutieren, wer die ukrainische Debatte über die politische und wirtschaftliche Ausrichtung des Landes zu einem mit militärischen Mitteln geführten Konflikt hochgekocht hat. Im Ergebnis sieht sich Europa zurückgeworfen in Zeiten des Kalten Krieges. Und die Vergleiche mit der Juli-Krise 1914 haben nicht nur damit zu tun, dass sich der Erste Weltkrieg im Sommer zum 100. mal jährte, sondern mit der Fahrlässigkeit, mit der in Moskau, Kiew und anderen Hauptstädten zum Teil mit der Krise umgegangen wird.

Ändert sich das nicht, sind am Ende alle die Verlierer. Auch Putins Russland, das an der Krim-Annektion und der Unterstützung der ost-ukrainischen Separatisten schon jetzt schwer zu tragen hat.

Deshalb wäre in diesen Wochen eine neue Entspannungspolitik nötig. Am Anfang müsste – wie in den 70er-Jahren – die Bereitschaft stehen, sich in die jeweils andere Seite hineinzudenken. Geholfen haben damals vertrauensbildende Maßnahmen und das Infragestellen von Feindbildern. Das geht jedoch nur mit immer neuen Gesprächen, nicht mit Funkstille. Schreiben Sie eine Mail an den Autor: bli@hna.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.