Neuanfang mit altem Gesicht

Kommentar zur Sarkozy-Wahl: Ein miserabler Sieg

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Nicolas Sarkozy ist neu gewählter Parteivorsitzender der konservativen UMP in Frankreich. Dazu ein Kommentar von HNA-Korrespondentin Birgit Holzer

Frankreichs Oppositionspartei Nummer eins versucht den Neuanfang - mit einem alten Gesicht. Der frisch gewählte Parteichef ist der von 2004 und zugleich ein Ex-Staatschef, der seine letzte Niederlage nicht verdaut hat.

Doch es handelt sich nur vermeintlich um ein Déjà-vu. Nicolas Sarkozy ist zwar noch derselbe - so aggressiv, energiegeladen und inhaltlich wankelmütig wie eh und je. Aber früher riss er als charismatischer Hoffnungsträger mit. Inzwischen schrecken all die Skandale, seine persönlichen Patzer, die mittelmäßige Bilanz an der Staatsspitze und das Fehlen neuer Ideen ab. „Das Programm bin ich“, dieses Versprechen allein reichte nicht. Eine Wahl zum Parteichef mit 64,5 Prozent, das ist ein miserabler Sieg.

Mit Bruno Le Maire als Sarkozys Hauptgegner hat sich ein Vertreter einer jüngeren Politiker-Generation hervorgetan, der für Modernisierung steht. Es ist sein Verdienst, eine Alternative aufgezeigt und den Mut gehabt zu haben, sich dem stolzen Alphatier entgegenzustellen. Für Sarkozy beginnt der Kampf erst. Im bürgerlich-rechten Lager geht es schon jetzt um alles, da die Schwäche von Präsident Hollande seine Wiederwahl aus heutiger Sicht sehr unwahrscheinlich macht. Zugleich droht der UMP Lähmung durch interne Konflikte.

Diejenigen Franzosen, die Politik ohnehin nur noch als Krieg der Egos wahrnehmen, dürften sich bestätigt fühlen. Das treibt sie direkt in die Arme von Marine Le Pen, die gerade einstimmig als Vorsitzende des rechtsextremen Front National bestätigt wurde. Sie schickt sich an, aus ihm Frankreichs Oppositionspartei Nummer eins zu machen - mindestens. Und die bürgerlichen Parteien sind zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um sie zu bremsen.

Kontakt zur Autorin: nachrichten@hna.de

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