Kommentar zu Satiremagazin Charlie Hebdo: "Gefühle missachtet"

Das Satiremagazin Charlie Hebdo provoziert derzeit mit der Zeichnung des ertrunkenen Flüchtlingskindes Aylan Kurdi. Dazu ein Kommentar von HNA-Redakteurin Martina Hummel.

Charlie Hebdo ist für viele eine Ikone der Meinungsfreiheit. Dieses Mal hat sich das Magazin die Flüchtlingskrise vorgenommen - so weit, so erwartbar. Doch es gibt eine sehr feine Linie zwischen Meinungsfreiheit und schlechtem Geschmack - dieses Mal hat Charlie Hebdo diese Linie ohne Not überschritten.

Die Karikatur des Flüchtlingsjungen Aylan Kurdi, der auf der Flucht ertrinkt, ist ohne jedes Mitgefühl und keineswegs derart hintergründig, als dass sie irgendwem oder irgendwas einen Spiegel vorhält. Die Karikatur verspottet den Tod eines kleinen Jungen. Das ist geschmacklos.

Satire darf nicht alles. Und Meinungsfreiheit enthebt Satiriker auch nicht der Pflicht, über die Ziele ihrer Arbeit nachzudenken. Wer dann in solch einem Moment beschließt, ein offensichtlich vorhandenes Gefühl einmal nicht zu verletzen, der ist damit noch lange kein Feind der Meinungsfreiheit. Sondern er kann durchaus ein Freund der Vernunft sein. Selbst die Tatsache, als Karikaturist Opfer eines Anschlags gewesen zu sein, rechtfertigt keinen derart beißenden Spott, der bewusst die Gefühle anderer Menschen missachtet.

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