Kommentar zu Saudi-Arabien: Kanäle offen halten

Der Konflikt zwischen Saudi-Arabien und dem Iran erfasst weitere Länder in der arabisch-islamischen Welt. Doch gerade deshalb darf die Bundesregierung den diplomatischen Kontakt zu diesen Ländern nicht abreißen lassen . Ein Kommentar von Jörg Stefan Carl.

Wie umgehen mit Saudi-Arabien und Iran? Es ist die Krux Interessen geleiteter Außenpolitik, dass es moralisch unangreifbare Lösungen, den einen idealen Weg, nicht gibt. Auch für die Bundesregierung nicht. Beide radikal-religiösen Regime können gar nicht scharf genug wegen ihrer Menschenrechtsverletzungen angeprangert werden, doch beide werden leider auch gebraucht – wirtschaftlich und politisch.

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Iran und Saudi-Arabien führen schiitisch-sunnitische Stellvertreterkriege und Machtkämpfe in vielen Ländern des Mittleren Ostens: in Syrien, im Jemen, Irak und Libanon. In Teheran und Riad liegen die Schlüssel dafür, diese Konflikte eskalieren zu lassen oder eindämmen zu können. Zurzeit stehen die Zeichen auf Eskalation.

Umso wichtiger ist es, diplomatische Kanäle nicht zu schließen, den vermittelnden Dialog nicht abreißen zu lassen sowie vorerst auf jedwede Sanktionen zu verzichten. Sonst würden die Fronten nur verhärten, und die Lage würde sich verschlimmern.

Die emotional nachvollziehbare Forderung der Grünen etwa, jeden Kontakt zu Saudi-Arabien zu beenden, ist gerade jetzt besonders naiv. Es ist vielmehr jener Grundsatz der Realpolitik anzuwenden, dass man auch mit jenen reden muss, denen man am liebsten nicht begegnen will. Denn wenn Riad und Teheran in einen direkten Krieg gerieten, würde die gesamte islamische Welt brennen. Das muss mit allen verantwortbaren Anstrengungen verhindert werden. Weiter Waffen zu liefern, das sollte dabei betont werden, würde bedeuten, zusätzlich Öl ins schiitisch-sunnitische Feuer zu gießen. 

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