Nach Papst-Aussage: Kommentar zu Schlägen in der Erziehung

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Papst Franziskus

Bei seiner Generalaudienz sprach Papst Franziskus über die Rolle des Vaters bei der Kindererziehung. Und darüber, wie man Kinder zu schlagen habe. Ein Kommentar von Tibor Pesza.

Nein, da gibt es kein Vertun: Wer ein Kind schlägt, der zeigt bestenfalls seine Überforderung, schlimmstenfalls eine seelische Deformation. Schläge in der Erziehung gehen gar nicht. Im Sport oder in einer Notwehrsituation haben sie vielleicht ihre Berechtigung.

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Wer aber ein Kind schlägt, um es zu erziehen, der nimmt ihm die Würde - ganz gleich, ob er es ins Gesicht schlägt oder auf den Hosenboden. Jeder Hieb, jeder Klaps, jede Ohrfeige brennt schlimme Lehren in die Seele: Der Stärkere hat Recht. Der Körper des Schwächeren gehört dem Stärkeren. Gewalt löst Konflikte.

Aber müssen Eltern ihren Kindern nicht Grenzen zeigen? Ja, das müssen sie, und zwar ohne Ende, oft auch über die Grenzen der eigenen Belastbarkeit hinaus. Doch das päpstliche Wohlwollen gegenüber einer milden Form der Prügelpädagogik bietet keine Lösung. Es zeigt nur, in welcher Tradition Franziskus groß wurde. Es ist die alttestamentarische Tradition des „Wer seinen Sohn liebt, der züchtigt ihn“. In der christlichen Erziehungspraxis wurde dies zur Quelle unsäglichen Leidens.

Und doch liegt in den alttestamentarischen Sprüchen eine tiefere Wahrheit, so man denn versucht, sie aus ihrer Zeitgebundenheit heraus in unsere Zeit zu übersetzen: Eltern, die ihre Kinder lieben, setzen ihnen Grenzen, lehren sie Regeln, streben für sie nach dem Besten.

Das heißt sicher nicht: maximale Willenserfüllung der Kleinen. Aber auch nicht: maximale Willenserfüllung der Großen. Das Geheimnis liegt in der Mitte. Prügel fördern es nicht zutage. Sie verschütten es.

Recht auf gewaltfreie Erziehung

In Deutschland ist das Schlagen von Kindern verboten. Im Bürgerlichen Gesetzbuch heißt es: „Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig“, steht in Paragraf 1631. Die Misshandlung von Schutzbefohlenen regelt überdies Paragraf 225 des Strafgesetzbuches. Danach drohen demjenigen bis zu zehn Jahre Haft, der zum Beispiel „eine Person unter achtzehn Jahren (...), die seiner Fürsorge oder Obhut untersteht, (...) quält oder roh misshandelt“. Die Ansicht, dass körperliche Züchtigung zur Erziehung gehöre, ist laut Kinderhilfswerk Unicef vor allem in armen Familien mit geringer Bildung verbreitet. Nur wenige Staaten schützten Kinder gesetzlich vor Gewalt, kritisiert Unicef. (dpa)

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