Kommentar zur Schlecker-Anklage: Schwäche im Gesetz

Vier Jahre nach der spektakulären Pleite seiner Drogeriemarktkette droht Anton Schlecker der Prozess. Für die Beschäftigten, die damals ihren Job verloren, wäre das eine Genugtuung, doch ein Problem wird bleiben, schreibt Barbara Will.

Ein Metzgermeister, der es zum Milliardär brachte, eine verschworene Familie und schließlich der krachende Zusammenbruch eines Drogeriemarkt-Imperiums: Der Fall Schlecker war bereits ein Stoff für Filme, jetzt ist er eine Mammutaufgabe für den Staatsanwalt.

Die 25 000 Menschen, die durch die Pleite ihren Job verloren, mag es freuen, dass ihr ehemaliger Chef, der lange Niedriglöhne zahlte und schließlich sein Unternehmen an die Wand fuhr, hinter Gitter kommen könnte. Doch ob Schlecker der Prozess gemacht wird, ist offen.

Das Verfahren ist komplex. Geldströme müssen nachvollzogen, Zahlungen und Geschenke auf Rechtmäßigkeit überprüft werden. Denn Schlecker nutzte eine Schwäche der Gesetzgebung: Wer sein Unternehmen, wie der Patriarch, als eingetragener Kaufmann führt, setzt zwar sein Privatvermögen aufs Spiel, braucht sich dafür aber geschäftlich nicht in die Karten schauen lassen. Bei einem Firmengeflecht von der Größe des Schlecker-Reichs ist das nicht akzeptabel. Zu groß sind bei einer Pleite die Folgen für Gläubiger, Beschäftigte und Sozialkassen. Hier liegt das eigentliche Problem des Falls Schlecker. Der Prozess wird es nicht lösen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.