Misstrauischer Chef

Kommentar zur Sekretärin, die ein Detektiv beobachtete

Eine Sekretärin meldet sich krank. Der Chef lässt sie von einem Detektiv beobachten. Das hat das Bundesarbeitsgericht am Donnerstag für unrechtmäßig erklärt. Ein Kommentar von Tatjana Coerschulte.

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Wer möchte in einem Betrieb arbeiten, in dem ein derartiges Misstrauen herrscht, dass der Chef Detektive losschickt, wenn sich jemand krank meldet? Man vermutet unwillkürlich, dass ein solcher Umgang in einer Firma eine gewisse Vorgeschichte hat. Mit dem Urteil des Bundesarbeitsgerichts ist nun klar, dass es diese Vorgeschichte nachvollziehbar geben muss, damit so ein drastischer Schritt noch im rechtlichen Rahmen ist.

Gefilmte Kassiererinnen, Kündigungen wegen gemopsten Pfandbons und ungefragt verzehrten Brötchen: Die Liste ungewöhnlich harten Umspringens mit Mitarbeitern ist lang. Seltener landen Fälle vor Gericht, in denen sich Arbeitgeber gegen systematischen Diebstahl oder selbst genehmigte freie Tage wehren müssen – weil sie dann Schwachstellen offenbaren, auf die sie lieber nicht aufmerksam machen möchten. Vorgesetzte können also auch Anlass für Misstrauen haben.

In jedem Fall gilt: Ist es so weit gekommen, dass ein Detektiv auf der Bildfläche erscheint, ist die Kündigung nicht weit. Ein zu Recht verdächtigter Mitarbeiter wird sich anderweitig umsehen müssen – und ein zu Unrecht verdächtigter wird es wollen.

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