Kommentar zur Situation in der Eurozone: Ausschütten, wegholen, mitnehmen

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Die Verhandlungen zwischen Athen und den Geldgebern kommen nur mühsam voran. In der Eurogruppe liegen die Nerven blank. Dazu ein Kommentar von HNA-Nachrichtenchef Tibor Pésza.

Was soll jetzt noch kommen? Spieler, Zeitverschwender, Amateur – so soll Griechenlands Finanzminister Giannis Varoufakis in Riga von seinen Kollegen genannt worden sein. Wer möchte da widersprechen? Es fällt einem kein gutes Argument ein.

Seit bald drei Monaten ist das bizarre Bündnis von Links- und Rechtspopulisten in Athen an der Macht. Für mehrere hundert Millionen Euro will es neuerdings Raketen in Russland kaufen. Gleichzeitig presst es per Dekret die letzten liquiden Mittel aus Gemeindekassen und öffentlichen Institutionen. Obwohl die Schweiz seit Wochen anbietet, beim Feststellen griechischer Flucht-Milliarden auf Schweizer Konten zu helfen, bleibt Athen stumm.

Wie tief kann ein Staat sinken? Die Hafengesellschaft von Piräus soll schnell noch die Dividende verdreifacht haben, bevor das Dekret aus Athen die letzten liquiden Mittel zu illiquiden machte. Das ist das griechische Prinzip: Aus öffentlich mach privat, ausschütten, wegholen, mitnehmen. Die Elite des Landes verdünnisiert sich nach London, während die Europäische Zentralbank Athens öffentliches Leben mit immer neuen Notfallkrediten flüssig hält. Varoufakis & Co. ringen nur noch darum, wer als letzter das Licht ausmachen muss.

Gewiss, die Bundeskanzlerin wehrt sich aus guten Gründen gegen das Ende mit Schrecken. Doch die größte Gefahr liegt nicht in Athen. Sie liegt in Rom und Paris, wo die mit horrenden Rettungsmilliarden erkaufte Zeit weitgehend vertan wurde, statt sie für politische Reformen zu nutzen.

So wartet Europa, wartet die Welt, voller Bangen auf die Rückkehr der Wirklichkeit in das europäische Haus. Das Geschrei in Riga lässt ahnen, wie sie aussehen wird.

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