Kommentar zum Skandal in der Kölner Silvesternacht: Doppeltes Versagen

Vier Tage hat es gedauert, bis die Polizei das wahre Ausmaß des Geschehens in Köln offenbart hat. Warum die Zurückhaltung? Ein Kommentar von HNA-Politikredakteur Jörg Stephan Carl.

Der Vorwurf, das verantwortliche, SPD-geführte NRW-Innenministerium habe das eigene Weltbild vom guten Zuwanderer und diesen vor rechsradikalen Hetzkampagnen schützen wollen, steht im Raum und wird nicht leicht zu entkräften sein.

Wenn dem so war, gilt: Gut gemeinte Absicht entspricht nicht immer klugem Handeln. Sofortige Offenheit hätte mehr genützt: der Polizei für schnellere Ermittlungsarbeit sowie den Opfern in ihrem Gefühl, ernst genommen zu werden. Zudem drohen die sogenannten arabisch oder nordafrikanisch aussehenden Menschen durch das behördliche Zögern - manche nennen es Vertuschen - erst recht unter Generalverdacht zu geraten.

Jeder Vernunftbegabte wird einem solchen Verdacht nicht auf den hetzerischen Leim gehen. Er wird aber auch sagen, dass Flüchtlinge und Zuwanderer sowie deren Kinder und Enkel aus den arabisch-nordafrikanischen Regionen kein polizeilich zu schonendes Biotop darstellen, das frei von verbrecherischen Umtrieben ist. Gerade den Behörden im Rheinland ist bekannt, wie das Projekt „Casablanca“ jetzt zeigt, dass viele Asylsuchende zu Verdächtigen im kriminellen Milieu gehören.

Bekannt ist auch, dass nicht alle, aber viele arabische Männer ein Frauenbild von vorgestern haben. Man kann das als kulturell bedingte Einstellung verharmlosen, es ist in Wahrheit die permanente Verweigerungshaltung gegenüber hier geltenden Werten wie Respekt, Gleichberechtigung und Gewaltlosigkeit. Exakt an diesem Punkt ist nicht die Armlänge des Einzelnen gefordert, sondern der wehrhafte Arm des Staates.

Wo aber wie in Köln die Polizei aus politisch zu verantwortendem Personalmangel nur sich selbst statt angegriffene Frauen schützt - so berichten es Zeugen -, versagt der Staat doppelt. Er lässt seine Bürger im Stich und macht wegen demonstrierter Schwäche neue Übergriffe wahrscheinlich.

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