Kommentar zu den skandinavischen Grenzkontrollen: Druck auf Berlin steigt

An der dänischen Grenze zu Schweden sind am Montag Passkontrollen gestartet. Mitarbeiter von Verkehrsunternehmen überprüfen jeden Passagier in Zügen, Bussen und auf Fähren auf dem Weg aus Dänemark nach Schweden.

Die Dänen zogen sogleich an der deutsch-dänischen Grenze nach. Ein Kommentar von HNA-Nachrichtenchef Tibor Pézsa.

Wir schaffen das nicht mehr. Das ist die Botschaft der Skandinavier, die jetzt ihre Grenzen abschotten. Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit hat auch Finnland über die Weihnachtstage einen wichtigen Weg für Migranten aus Deutschland versperrt. Auf der Fährverbindung von Travemünde nach Helsinki kommt jetzt niemand mehr ohne gültige Papiere aufs Schiff. Wer in Finnland um Asyl bitten will, muss sich einen anderen Weg suchen.

Schweden und Dänen haben sich die Entscheidung zu Pass- und Einreisekontrollen nicht leicht gemacht. Schließlich werden damit Verkehrs- und Wirtschaftsräume getrennt, die seit Jahrzehnten funktionieren. Doch das Dublin-Abkommen, mit dem der Zuzug der Flüchtlinge europäisch geregelt ist, wird in der Praxis ständig gebrochen. Daher gilt: Jeder hilft sich selbst.

Es ist der Beginn jenes Dominoeffekts, den Angela Merkel im September vermeiden wollte. Nur geht er jetzt nicht von Deutschland aus zurück über den Balkan, sondern von Skandinavien aus zurück nach Deutschland. Damit steigt der Druck auf Berlin in der Flüchtlingsfrage - allerdings nicht ohne eigenes Zutun. Denn auch aus Deutschland ließ man viele Migranten in den Norden ziehen, ohne dass sie hier registriert wurden. Der sicher nicht ganz unbeabsichtigte Effekt ist derselbe wie in Griechenland und Co.: Ohne Registrierung können die Durchziehenden nicht zurückgeschickt werden.

Kein Wunder, dass Schweden, Dänen und Finnen dieses Spiel nicht mehr mitmachen wollen. Nun ist Deutschland am Zug.

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.