Kommentar zu Steuerhinterziehung: Wer sind die Guten?

Werner Kolhoff über Steuerhinterziehung

Uli Hoeneß, Alice Schwarzer - und jetzt auch Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz: Immer mehr Prominente entpuppen sich als Steuersünder. Ein Kommentar von Berlin-Korrespondent Werner Kolhoff.

Zwei prominente Fälle an einem Wochenende: Alice Schwarzer und André Schmitz sind beide moralische Größen, aber auch Steuerhinterzieher. Im Bild der meisten Bürger ist dieses Delikt bösen Pfeffersäcken aus der Wirtschaft vorbehalten, Leuten wie Ex-Postchef Klaus Zumwinkel oder Bayern-Präsident Uli Hoeneß. Aber wer sind die Guten? Die gebe es gar nicht, heißt es nun fast entschuldigend. Steuerhinterziehung sei in Deutschland eben ein Volkssport.

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Falsch. Das gemeine Volk kann mangels Masse gar keine Steuern hinterziehen. Seine Gestaltungsmöglichkeiten sind meist darauf beschränkt, ein wenig bei der Entfernung zur Arbeitsstelle aufzurunden. Steuerhinterziehung ist ein Oberschichtensport wie Golfen oder Polo. Man muss ihn sich leisten können.

Erstaunlich ist, wie lange Schwarzer und Schmitz, die doch politisch sehr informierte Menschen sind, trotz diverser Steuer-CDs gewartet haben, ob es auch sie erwischt. Gier essen Verstand auf, um einen alten Filmtitel abzuwandeln.

Und nun Alices Schwarzers Klage über die öffentliche Enthüllung, die angebliche Denunzierung. Eine moralische Instanz besteht auf ihr Recht auf ein Doppelleben. Sehr komisch, aber nicht witzig.

nachrichten@hna.de

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