HNA-Meinung

Kommentar zur Studie zu Vergewaltigungen: Viele Fragen unbeantwortet

Martina Wewetzer (mwe@hna.de) über die Studie

Laut einer Studie haben vergewaltigte Frauen deutlich weniger Aussichten auf eine Verurteilung der Täter als in früheren Jahren. Ein Kommentar von HNA-Redakteurin Martina Wewetzer.

Eine Studie des Kriminologischen Instituts Niedersachsen besagt, dass Anzeigen wegen Vergewaltigung immer seltener zu einer Verurteilung führen. Das lässt erst einmal aufhorchen. Aber bei genauer Betrachtung wirft die Machart der Studie mehr Fragen auf, als sie Antworten liefert - etwa: Polizei und Staatsanwaltschaften seien mancherorts überlastet.

Das dürfte auch bei vielen anderen Straftaten der Fall sein. Überlastung ist somit kein hinreichender Beleg für weniger Verurteilungen bei Vergewaltigungen.

Auch die Tatsache, dass Anzeigen bei Vergewaltigungen zugenommen haben, überrascht nicht. Kriminologe Christian Pfeiffer vergleicht einen Zeitraum von 20 Jahren. Aber erst 1998 wurde Vergewaltigung in der Ehe als Straftatbestand eingeführt. Doch diese zwischenmenschlichen Katastrophen wird es auch schon vor 1998 in den eigenen vier Wänden gegeben haben - nur man konnte sie nicht anzeigen.

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Pfeiffer spricht von Unterschieden in den Bundesländern, benennt sie aber nicht. Liegt es an den Männern, den Frauen oder den Richtern der einzelnen Länder? Das ist nur schwer nachzuvollziehen.

Diese Ungenauigkeiten und Lücken müssen geklärt werden. Solange Pfeiffer diese Fragen aber offen lässt, bleibt von dieser Studie nicht vielmehr als eine Schlagzeile. Dafür ist das Thema Vergewaltigung ein zu schweres Verbrechen - für das Opfer Frau, aber auch für den zu Unrecht beschuldigten Mann.

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