Kommentar zum Tarifstreit bei der Bahn: Wer ist der Klügere?

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Auch wenn GDL-Chef Claus Weselsky zunächst jubelt, ist noch nicht ausgemacht, wer den Tarifstreit bei der Bahn gewinnt, findet Werner Kolhoff.

Die angerufene Schlichtung im Tarifkonflikt der Lokomotivführergewerkschaft GDL mit der Bahn lässt Deutschland zwar aufatmen, doch erledigt ist die Auseinandersetzung damit nicht. Es bleibt im Kern ein Streit zwischen zwei Gewerkschaften, die sich Mitglieder mit unterschiedlich guten Tarifverträgen abwerben wollen, und der Bahn, die gerade das verhindern will. Wer gibt nach, wer ist der Klügere?

Die Bahn scheint es nicht zu sein, sie beharrte gestern auf ihrem Standpunkt: Keine zwei Tarife für ein- und dieselbe Berufsgruppe. Die Lokführergewerkschaft GDL auch nicht, sie will einen eigenen Tarifvertrag auch für das Zugpersonal. Und die große Eisenbahnergewerkschaft EVG? Sie will der GDL-Konkurrenz nicht den Triumph überlassen, die wahre Tariflokomotive zu sein und drohte ihrerseits gestern mit Warnstreiks.

Allerdings, es gibt einen Lichtschimmer: Die EVG erklärte, sie beende ihre Tarifverhandlungen mit der Bahn nur, wenn von dieser garantiert werde, dass ein späteres, womöglich besseres Verhandlungsergebnis aus dem Schlichtungsverfahren mit der GDL auf ihre Mitglieder übertragen werde. Darin könnte ein Ausweg liegen. Denn falls das Tarifeinheitsgesetz, das der Bundestag am Freitag beschließt, am 1. Juli in Kraft tritt und vor dem Verfassungsgericht Bestand hat, gilt künftig, dass die in einem Betrieb größere Gesellschaft den Takt vorgibt. Das wird die GDL nicht sein.

E-Mail an der Autor: nachrichten@hna.de

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