HNA-Meinung

Kommentar zur Tötung von Tieren in Zoos: Keine heile Tierwelt

Die Aufregung um die Tötung des Giraffenbullen Marius im Zoo Kopenhagen ist groß. Solche Praktiken gibt es auch in vielen anderen Zoos. Ein Kommentar von HNA-Nachrichtenredakteur Peter Klebe.

Wer als Besucher durch einen Zoo geht, sieht dort meist nur eine zur Schau gestellte heile Welt der Tiere. Die Schattenseiten bleiben verborgen. Verdrängt wird vor allem, dass ein Zoo kein Gnadenhof für Wildtiere ist, sondern auch ein Wirtschaftsbetrieb. Ein Betrieb, der von Steuergeld subventioniert werden muss und oft rote Zahlen schreibt. Der Platz ist begrenzt, deshalb wird der Tierbestand reguliert.

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Giraffe Marius an Löwen verfüttert

Dennoch hat die Tötung des Giraffenbullen Marius in Kopenhagen zu Recht eine Welle der Empörung ausgelöst. Vor allem, weil sie zeigt, dass Verfüttern von Zootieren an andere Tiere keine Ausnahme ist, sondern eher die Regel. Natürlich fressen Löwen, Tiger und andere Raubtiere auch sonst keinen Blumenkohl und keinen Tomatensalat, sondern rohes Fleisch. Empörend ist aber die fast unkontrollierte Zucht und Produktion von „Überschusstieren“, die dann zu Tötungen führt. Für Tiere, die als süße Babys Besucherscharen anlocken, ist oft kein Platz mehr, wenn sie erwachsen sind. Da helfen auch Austauschprogramme nur bedingt, eine Auswildung ist meist nicht möglich oder zu teuer.

Der Zoo Kopenhagen hat sich keinen Gefallen damit getan, die Giraffe vor Publikum Löwen zum Fraß vorzuwerfen. Was sollen Kinder davon halten? Die Debatte, die darüber entbrannt ist, kann aber auch zum Nachdenken über Sinn und Unsinn von Zoos anregen. Sie kann für die wirklichen Zustände sensibilisieren und deutlich machen, dass Tiere fühlende Wesen sind und kein Spielzeug, das man beliebig zur Schau stellt.

E-Mail an den Autor: kle@hna.de

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